Circolo Golf Rapallo

Die Abschlussbahn von Rapallo ist nichts für schwache Nerven: Sie verläuft quer über die Driving Range. Wer also von den höher gelegenen Abschlägen seinen Ball spielen will, muss Zeichen geben, damit der Trainingsbetrieb unterbrochen wird. Dann warten alle auf den Schlag – für den Spieler ist das schweißtreibend, zumal das Par 3-Loch mit seinen 185 Metern Länge schwer zu spielen ist. Meistens landet der Ball vor dem Grün inmitten der Übungsbälle. Dann heißt es rasch nach unten gehen, den eigenen Ball ausfindig machen und den zweiten Schlag aufs Grün setzen – unter den Augen der höflich wartenden Trainingsgolfer und der Gäste auf der Clubhausterrasse. Wer da in den Boden haut oder den Ball toppt, ist zu bedauern. Manche gestandene Golfer lassen deshalb das letzte Loch links liegen und retten sich ohne Gesichtsverlust ins Ziel.

Das skurrile Loch 18 ist nicht die einzige „Marotte“, die den ansonsten äußerst liebenswerten Golfkurs an der ligurischen Küste zu einem besonderen Erlebnis macht. Er wurde 1931 in das hügelige Gelände der quirligen und geschichtsträchtigen Stadt hineingebaut, am 8. April 1933 flog der erste „offizielle“ Golfball von Tee 1. Im Jahr 1970 wurde die Anlage auf 18 Bahnen erweitert. Offenbar konnten dafür Ländereien eines ehemaligen Klosters erworben werden. Jedenfalls ragt seitdem hinter dem Grün der siebten Bahn die Kirchenruine des „Monastero di Valle Christi“ in die Höhe – wer also übers Grün spielt, landet in geweihten Gefilden.

Die Anreise ist ein Geduldsspiel: Von der Autobahn kommend, landet nicht nur der Golfer zunächst im Stau, der die Einfahrt in die Stadt regelmäßig blockiert. Auf dem Weg ins Zentrum, sind rechts dann bereits die ersten Bahnen hinter Gittern und Büschen sichtbar. Die Einfahrt in den „Circolo Golf“ ist edel, ein großer Parkplatz vor dem Clubhaus steht den Gästen zur Verfügung. Ein Campanile mit Turmuhr überragt das Gebäude. Durch einen kleinen Innenhof, an dessen Mauern die Clubmeister auf großen Holztafeln verewigt sind, geht es hinein ins Haus. Bar und Restaurant mit Terrasse laden ein. Einrichtung und Umfeld sind nicht mehr ganz neu, verströmen aber einen noblen Charme, der – wie so oft in Italien – etwas in die Jahre gekommen ist.

Spielen kann man in Rapallo im Prinzip zu jeder Zeit, Greenfee-Golfer sind willkommen. Leider öffnet das Büro erst um 8.30 Uhr. Wer im Sommer wegen der Hitze früh morgens losziehen will, sollte also eine Startzeit am Vortag buchen. Allerdings nimmt es hier mit den Abschlagszeiten niemand so genau. Irgendwie schüttelt sich alles zurecht, eine ordnende Spielleitung gibt es nicht. Nur den strikten Hinweis: „Course begins from hole number 2“. Auch so eine verrückte Geschichte. Wegen der später hineingebauten Driving Range wurde Loch zwei von einem Par 5 auf ein Par 4 verkürzt. Damit ist aber der Weg vom ersten Grün bis zum Abschlag der zweiten Bahn so lang geworden, dass es keinen Sinn macht, mit Loch 1 in die Runde zu starten.

Schon die dritte Bahn hat es dann in sich. Ein breites Flüsschen – in den Sommermonaten allerdings ohne Wasser – gilt es kurz vor dem Grün zu überwinden. Die Fahne ist gar nicht sichtbar, weil man von tief unten weit nach oben spielen muss. Der Weg zum vierten Abschlag verlangt dann eine kleine Klettereinlage. Oben angekommen, wartet ein Par 3 auf den ambitionierten Amateur, 133 Meter lang – ein Kinderspiel, wenn die tiefen Bunker nicht wären.

Es geht bergauf und bergab, über Straßen und Bäche. Uralte Pinien und Akazien säumen Wege und Fairways. Hoch über Rapallo bieten sich wunderschöne Ausblicke auf Stadt und Landschaft. Manche Abschläge sind auf dem verwinkelten Kurs kaum zu finden, andere wurden stillgelegt, ohne dass ein Grund dafür ersichtlich wäre. Der „Circolo“ ist ein Zaubergarten, in dem sich die Golfer verirren können und dann wieder, ganz unvorhergesehen, auf Mitspieler treffen.

Wer seinen Score nicht so wichtig nimmt und ein wenig Abenteuer zu schätzen weiß, der ist in Rapallo gut aufgehoben. Und wenn sich italienische Leichtigkeit ins Spiel gemischt hat, dann kann auch das 18. Loch nicht mehr schrecken. Das Clubhaus in Sichtweite und viel Publikum an der Bahn – beste Voraussetzungen für einen sensationell guten Abschlag, der zu einer schönen Erinnerung an den ältesten Golfplatz Italiens wird.

Circolo Golf e Tennis Rapallo
Via G. Mameli, 377
IT-16035 Rapallo (GE)
Tel.: 0185-261777
segreteria@golfetennisrapallo.it
www.golfetennisrapallo.it