Land- und Golfclub Öschberghof

Hier fing alles an. Ein Foto auf der ersten Seite der FAZ vom 22. Juli 2014 bringt die Erinnerung zurück. Abgebildet ist Karl Albrecht auf dem Golfplatz mit einem Driver in der Hand. Im Hintergrund sind das Hotel Öschberghof und seine private Villa zu sehen. Kein Baum weit und breit. Das Foto stammt aus dem Jahr 1977. Zwei Jahre zuvor hatte der Mitgründer der Aldi-Handelskette und passionierte Golfer Karl Albrecht Hotel, Villa und Golfanlage am Rand des Dorfes Aasen, einem Ortsteil der Stadt Donaueschingen, errichten lassen.

Die Kargheit, die das Foto ausstrahlt, passt zu dem Kaufhaus-Giganten, der trotz seines Milliardenvermögens nichts vom Jet-Set hielt und für die Mitwelt unsichtbar blieb. Der bauernschlaue damalige Bürgermeister von Donaueschingen hatte es fertiggebracht, Albrecht davon zu überzeugen, ein riesiges Waren-Auslieferungslager an den Rand der Stadt zu setzen. Obendrein vermittelte er ihm Ackerflächen in der Nähe für den Bau des Golf-Resorts.

Der legendäre Karl Albrecht war damit sozusagen ein Mitbürger von mir geworden. Es muss im Jahr 1976 gewesen sein, ich war gerade zwölf Jahre alt, als unser Erdkundelehrer mit der Frage die Unterrichtsstunde eröffnete, wer denn ein wenig Taschengeld dazuverdienen möchte. Da ließ ich mich nicht lange bitten. Kurz darauf wurde mit einem Dutzend Jungs und Mädchen des Fürstenberg-Gymnasiums eine „Golf AG“ gegründet. Zwei Lehrer fuhren uns in ihren Privat-Autos zum Öschberghof, zum ersten Mal nahm ich den für Golfplätze so typischen Geruch der feuchten Fairways wahr.

Meine Karriere als Caddy begann. Damals war es noch üblich, dass sich Golfspieler in Deutschland ganz selbstverständlich einen Jungen „mieteten“, der den Wagen zog und die Schläger putzte. Unser Caddymaster war ein Ungar mittleren Alters, klein, untersetzt und streng. Herr Andorfi wies uns in die Geheimnisse des Golfsports ein. „Jirrgen. Immer dran denken. Scheen leise sein und nit widersprechen. De Kunde hat imma recht.“

Pro Runde gab es als Standard-Bezahlung 15 Mark auf die Hand. Mit der Zeit erarbeitete ich mir meine Stammkunden, Herrn und Frau Dorsch zum Beispiel. Er war ein langer Kerl, so um die 60, und hieb besonders gern mit seinem Holz 5 auf den Ball, mit mäßigem Erfolg. Ohne Zigarettenspitze im Mund war er nicht denkbar. Jahre später soll er auf der Tanzfläche im Clubhaus tot zusammengebrochen sein.

Besonders gern betreute ich Damen so um die 50, Zahnarzt- oder Rechtsanwalts-Gattinnen. Sie hegten mütterliche Gefühle für den Knirps und waren viel unkomplizierter als die ehrgeizigen Herren. Und überhaupt war es fürs Geschäft immer besser, wenn der Golfer einen guten Tag erwischt hatte oder wenigstens ein paar passable Schläge zustande brachte. „Toller Schlag“, musste man dann sagen und anerkennend nicken. So hat es Herr Andorfi dringend empfohlen. Da konnten dann am Ende auch mal 20 Mark als Lohn rausspringen.

Heiß umkämpft unter uns Caddys waren die Schweizer. Donaueschingen liegt nah an der Grenze und der Öschberghof war ein Geheimtipp unter den alpenländischen Golfern. 20 „Fränkli“ gab es mindestens, das hatte sich rumgesprochen. Andorfi mochte mich und schanzte mit lukrative Aufträge zu. Zum Verdruss meiner lieben Mutter übrigens, die gar nicht begeistert war, wenn am Sonntag um 8 Uhr das Telefon klingelte und der Ungar dran war. „Ist Jirrgen da?“, war die Standardfrage, dann musste mich mein Vater zum Golfplatz fahren – ein Schweizer wartete bereits.

Das waren herrliche Zeiten. Das Golfspiel faszinierte mich und ich entwickelte Verständnis für den Sport. Für den Ungar war ich bald sein bestes Pferd im Stall. Als die Meisterschaften von Baden-Württemberg bei uns stattfanden, durfte ich Caddy eines dieser Halb-Profis sein. Das Wichtigste: Den Ball unbedingt finden, was bei meinem eher mäßigen aber sehr von sich überzeugten Meistergolfer gar nicht so einfach war. Aber ich kannte den Platz ja wie meine Westentasche. Und dann kam das Unfassbare: Schwere Lage, mein Kunde verlangte dennoch ein Holz, um Weite zu machen, und – schlug am Ball vorbei. Er drehte sich hektisch um, keiner der Mitspieler hatte den Fehlschlag bemerkt. Dann schaute er mich an. Ich blickte unschuldig und wir waren Komplizen. 35 Mark schob er mir am Ende verlegen in die Hand - Ganovenehre.

Solche Spielchen konnte ich mir aber nicht immer leisten. Und schon gar nicht, als Herr Andorfi eines Tages anrief („Ist Jirrgen da?“) und mir eröffnete: „Du läufst heut' mit Frau Albrecht.“ Da musste ich schon schlucken, aber sie war sehr nett. Keine begnadete Golferin, was sich schnell herausstellte, als sie treffsicher jeden Bunker vom Damenabschlag traf. Doch sie lachte herzlich und war der Mittelpunkt einer lockeren Damenrunde.

Hat sie, die Gattin des Kaufhaus-Tycoons, für mich ein gutes Wort eingelegt? Wer weiß. Kurz danach war es dann soweit. Karl Albrecht suchte einen Caddy und („Ist Jirrgen da?“) - ich war der Auserwählte. Was soll ich sagen. Er war ein guter Golfer, schweigsam und eher streng. Für Späßchen war kein Platz, aber viel Leidenschaft und Ernsthaftigkeit im Spiel. Einmal landete sein Ball im Bunker. Er schlug ihn raus und ich griff den Rechen, um die Spuren zu beseitigen. Albrecht beobachtete mich genau und sagte schließlich: „Gib mal her, ich zeig' Dir, wie es richtig geht.“

Ich bin dann häufig mit Karl Albrecht auf die Runde gegangen. Über seinen Platz. Aus Caddy-Sicht war das sicherlich eine große Ehre, lukrativ war es nicht. 15 Mark war der Standard, von ihm bekam ich 13 Mark und keinen Pfennig mehr. Großartig – diese Lebenshaltung. Ich habe es gerne akzeptiert. Karl Albrecht starb im Juli 2014 hochbetagt. Das Foto in der FAZ erschien aus diesem Anlass. Eine gute Wahl: Auf seinem Golfplatz hat er sich – so jedenfalls meine Erinnerung – richtig wohlgefühlt.

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Land- und Golfclub Öschberghof

Eingebettet zwischen Schwarzwald und der Schwäbischen Alb warten auf über hundert Hektar sanfter Hügellandschaft 27 Spielbahnen auf Sie. Ein 18-Loch Meisterschaftsplatz, ein außergewöhnlich ondulierter 9-Loch Golfplatz mit faszinierenden Terrassenabschlägen, Driving-Range, Übungsbunker, Putting Green und teilweise überdachte und beheizte Abschlagboxen runden das umfangreiche Angebot ab.

Land- und Golfclub Öschberghof
Golfplatz 1
78166 Donaueschingen
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