Herrenhaus Schmerwitz, 2009

 

Die Kampfgruppenschule in Schmerwitz

Märkische Allgemeine, 21./22. November 2009

 

Zwanzig Jahre nach der Wende ist die „Zentrale Schule für Kampfgruppen“ in Schmerwitz nur noch eine ferne Erinnerung. Das neobarocke Herrenhaus aus dem Jahr 1873 präsentiert sich in einem ruinösen Zustand. Nicht viel besser ist es um die in den sozialistischen Jahren drumherum gesetzten Plattenbauten bestellt. Putz bröckelt von der Fassade. Unkraut wuchert aus dem Mauerwerk. Schwamm zieht herauf. Fenster und Türen sind, wenn nicht eingeschlagen, notdürftig verbrettert. Windschief lehnen sich die Gerüste an die Außenwand, täuschen Bauarbeiten nur vor.

Horst Grade, der letzte Leiter der Kampfgruppenschule „Ernst Thälmann“ und zugleich deren Abwickler, besucht seine alte Wirkungsstätte nur noch selten. Sein Blick schweift über das Gelände. „In der zweiten Etage des Schlosses war mein Arbeitszimmer.“ Gegenüber in den Plattenbauten und Backsteingebäuden waren einst Lehrkabinette, Hörsaal, Aula, Turnhalle und Schlafräume. Ein filigraner eiserner Pavillon im ehemaligen Schlossgarten mag noch aus der Zeit stammen, als die Familie Brandt von Lindau das Anwesen belebte.

Nach dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 schuf die aufgeschreckte Partei- und Staatsführung „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“, eine Art paramilitärische Bürgerkriegsarmee neben NVA und Volkspolizei, dem Ministerium des Innern unterstellt. Für die Kommandeure mussten Ausbildungsstätten eingerichtet werden. Das ziemlich abseits gelegene Schmerwitzer Herrenhaus bot sich an, da dort seit 1949 eine Sonderschule des ZK der SED existierte. „Am 16. Mai 1957 startete der Lehrbetrieb. Schulleiter, Stellvertreter sowie die Chefs von Fach- und Arbeitsgruppen waren Offiziere der Volkspolizei. Inklusive der Zivilangestellten stieg der Stellenplan bis 1965 auf 225 Mitarbeiter an. Wir haben ausschließlich Bataillonskommandeure, deren Stellvertreter und Kommandeure der Hundertschaften geschult“, erzählt Horst Grade. Taktik, Truppenführung, Methodik der Gefechtsausbildung und Grundlagenstudium des Marxismus-Leninismus gehörten dazu. „Die unteren Chargen und die Geschützführer wurden ab 1974 an der Kampfgruppenschule in Gera ausgebildet.“ Rund 200 000 „ehrenamtliche Kämpfer“, meist Mitglieder der SED, Funktionäre, Staatsangestellte, Arbeiter, wurden betreut ...

 

 

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