The Crete Golf Club

18-Loch-Anlage, Länge: 5.484 Meter (gelb), 4407 Meter (rot), Par 71
Golf-Akademie mit Driving Range (300 Quadratmeter), Übungsanlagen und Golfunterricht durch einen Pro. Ganzjährig bespielbar.

Die einzige 18-Loch-Anlage auf Griechenlands größter Insel Kreta wurde 2003 eröffnet. Den „Startschuss“ gab der damalige griechische Finanz- und Wirtschaftsminister Nikos Christodoulakis, der zur selben Zeit in Athen treibende Kraft für den Anschluss Griechenlands an die Euro-Zone war. Der Meisterschafts-Golfplatz wenige Kilometer südlich der Tourismus-Hochburg Hersonissos sollte eine Initialzündung für den Golfsport in Griechenland sein und eine neue Touristen-Klientel ins Land und auf die Inseln locken. Der Architekt der kretischen Anlage, der Brite Bob Hunt, erinnerte sich später, dass es Pläne gab, bis 2005 weitere 24 Golfplätze in Griechenland zu bauen. Doch daraus wurde nichts. Für Griechenland bleibt Golf ein wenig populärer Sport.

Der Bau in Hersonissos war zuallererst ein finanzielles Wagnis. 43 lokale Investoren, darunter zahlreiche Hoteliers, hatten sich zusammengetan, um das 16 Millionen Euro teure Projekt zu verwirklichen. Eine staatliche Kreditbürgschaft half über die ersten Hürden hinweg. Zunächst mussten hunderte kleine Landstücke zusammengekauft werden, um genügend Fläche an einem Berghang des engen Tals zu generieren. Die Golfbahnen wurden in das pure Gestein regelrecht hineingesprengt, mit zerkleinertem Geröll modelliert, später dann mit Sand bedeckt und mit Bermuda-Gras bepflanzt. Entstanden ist schließlich eine Anlage, die einige als Gebirgsplatz, andere als wüstenähnlich bezeichnen. Spektakulär ist The Crete Golf Club allemal.

Architekt Bob Hunt hat an jedem Loch fünf Tee-Positionen vorgesehen, damit Spieler unterschiedlicher Spielstärke gleichermaßen ihren Spaß haben können. Insgesamt gibt es vier Par-3-Bahnen – zwei auf der Hin- und zwei auf der Rückrunde. Loch 6 mit 160 Metern (gelb) ist dabei das ambitionierteste. Nur mit einem geraden und weiten Schlag hat man die Chance, ein tiefes Tal zu überwinden und die Bunker am Grün zu vermeiden. Ein gespieltes Par ist in diesem Fall mindestens ein gefühltes Birdie.

Der Platz ist schwierig zu spielen, besonders beim ersten Mal. Die Abschläge müssen meistens „blind“ gespielt werden, weil überhaupt nicht ersichtlich ist, was hinter Hügelkuppen oder Tälern eigentlich lauert. Selbst beim zweiten Schlag ist die Fahne oft noch nicht zu sehen. Etwas entnervt nannte ein Spieler den Platz einen „Flipperkasten“, wegen der Felswände und Steinhaufen, an denen die unpräzise geschlagenen Bälle unkontrolliert abprallen und dann nicht mehr zu finden sind. Es ist eben auf Kreta so: Das Rough besteht aus Steinen und nicht aus mannshohem Gras. Für beide Fälle gilt: Wer gerade spielt, hat kein Problem damit.

Trotz der scheinbaren Enge bietet der Platz erstaunlich breite Fairways gerade an den kritischen Stellen. Ein gewaltiger Slice vom Abschlag weg ist meist nicht verloren. Der Ball findet sich zwar weit rechts außen, womöglich in einem geschickt angelegten Bunker, aber er ist da. Dann heißt es aus einer Senke heraus zurück auf den geraden Weg kommen. Ballverlust droht für die Herren insbesondere an Loch 7. Mit dem Abschlag gilt es, ein tiefes Tal zu überwinden. Auf der anderen Seite geht es bergauf, was die Sache nicht einfacher macht. Selbst ein gut getroffener Ball von gelb bleibt meist hinter dem rot markierten Damenabschlag auf der anderen Talseite liegen.

Die Mühen der Steigungen – ein Elektro-Card empfiehlt sich – wird spätestens am elften Loch mit wunderbaren Ausblicken in die schroffen kretischen Berge oder auf den Küstenstreifen des Meeres belohnt. Dann geht es kreuz und quer in Richtung Clubhaus zurück. Die 18. Bahn vereinigt noch einmal alle Schwierigkeiten des Platzes in sich und bietet das tatsächlich einzige Wasserhindernis der gesamten Anlage. Links zieht sich eine schroffe Felsmauer entlang, vom Abschlag weg gilt es zudem eine langgezogene Stein- und Geröllzunge zu überwinden. Die Fahne ist nicht zu sehen, weil sich ein Hügel davor erhebt. Damit wird der zweite Schlag zu einem Lotteriespiel. Entweder Grün oder Teich - der Abschluss der Runde bringt die Wahrheit ans Licht.

Zurück im Clubhaus, das im britisch-gediegenen Stil eingerichtet ist und mit Pro-Shop, Umkleideräumen, Bar, Restaurant und großzügiger Terrasse keine Wünsche offen lässt, berichtet Club-Manager Emmanuel (Manos) Caramalis von den geplanten Umbauarbeiten, die Ende Oktober 2014 starten und bis September 2015 beendet sein sollen. Der ehemalige Hertz-Manager hat den Ruhestand noch einmal herausgeschoben und auf Wunsch seines alten Chefs diese Aufgabe übernommen. Danach soll ein Jüngerer den Neustart der Anlage organisieren.

„Die Eigentümer investieren rund zwei bis drei Millionen Euro“, sagt Manos Cramalis. Die Grundstruktur des Platzes bleibe erhalten, aber einige Felsen und Geröllfelder, die das Spiel an manchen Stellen unnötig erschweren, sollen weggeräumt werden. Das geschieht, so hoffen wir, behutsam, denn der Gebirgscharakter des Platzes, der sich einigermaßen harmonisch in das enge Tal einfügt, macht ja gerade den Reiz der Anlage aus. Auch das Clubhaus wird verändert. Die dunklen Möbel kommen raus, alles soll heller und moderner werden.“

Während der Platzsanierung bleiben nur Driving Range und Golf-Akademie geöffnet. "Wir stellen einen Pro fest ein. Er soll mit Kursen und Einzelunterricht die Durststrecke der Schliessung überbrücken helfen." Die Ziele, die sich Eigentümer und Club-Manager Manos Caramalis mit dem Umbau gesteckt haben, sind aber weit höher als eine reine Verschönerung des Platzes. Bereits Architekt Bob Hunt hatte gewarnt, dass die Anlage in der jetzigen Form nicht wirtschaftlich zu betreiben sein wird. Die Basis soll nun durch den Bau einer Villensiedlung oberhalb des Clubhauses und eines Hotels verbreitert werden.

Entscheidend für die Attraktivität des Standorts für Golf-Touristen ist aber der Bau einer zweiten 18-Loch-Anlage. Doch da winkt Manos Caramalis noch ab. "Das wird schwierig, weil das Land rundherum Hunderten Familien gehört. Es wird lange dauern und teuer werden, bis genügend zusammenhängende Fläche für einen zweiten Platz zur Verfügung steht." Damit bleibt The Crete Golf Club wohl noch auf längere Sicht die einzige Möglichkeit, auf Kreta Hölzer und Eisen zu schwingen. Das ist einerseits schade, weil hier das ganze Jahr über dem Spiel mit dem kleinen weißen Ball gefrönt werden kann. Andererseits bleibt der Gebirgskurs ein Geheimtipp für alle diejenigen, die das Golfen mit Abenteuer- und Entdeckerlust zu verbinden wissen.

The Crete Golf Club
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